Сом пожирает умерших ракушек

Muschelsterben und Wels: Sommerliches Festmahl

Vitali Dalke

WUSSTET IHR DAS? Das Sommerfest der Stille!

Wenn der Sommer in vollem Gange ist, die Sonne erbarmungslos auf die Wasseroberfläche brennt und die Wassertemperaturen ihr Maximum erreichen, scheint die Unterwasserwelt oft in eine lethargische Ruhe zu verfallen. Doch während oben alles stillsteht, ereignet sich am Grund unserer Flüsse und Seen ein seltsames und faszinierendes, oft unbemerktes Phänomen: der Ball der Süßwassermuscheln.

Warum "machen sich die Muscheln auf"?

Das weite Öffnen der Muschelschalen ist keineswegs ein Zeichen von Vergnügen oder Entspannung, sondern ein reiner Überlebenskampf. Die Physik des Wassers diktiert eine unerbittliche Regel: Je wärmer das Wasser wird, desto weniger gelösten Sauerstoff kann es binden.

Muschelsterben im Sommer

Wenn die Wassertemperaturen in Hitzesommern die kritische Marke von 25 °C überschreiten, geraten heimische Bivalvia – wie die Große Teichmuschel (Anodonta cygnea) oder die Wandermuschel (Dreissena polymorpha) – in massiven Hitzestress. Um in diesem sauerstoffarmen Milieu überhaupt noch atmen zu können, reagieren sie instinktiv:

Maximale Filtration: Sie öffnen ihre Schalen so weit wie möglich. Sie versuchen verzweifelt, das Maximum an durchströmendem Wasser über ihre Kiemen zu leiten, um die letzten verbleibenden Sauerstoffmoleküle herauszufiltern.

Muskelversagen: Bleibt die drückende Hitzeperiode bestehen, stoßen die Weichtiere an ihre biologischen Grenzen. Der starke Schließmuskel, der die Schalen normalerweise schützend zusammenhält, erschlafft und die Muschel stirbt schließlich an Erschöpfung oder Sauerstoffmangel.

Ein Protein-"Ballon"

Was nun folgt, ist ein makabres, aber geniales Schauspiel der Natur. Sobald die Muschel geöffnet und verendet ist, beginnen unter Wasser rasch die Zersetzungsprozesse. Bakterien machen sich an die Arbeit und produzieren dabei Faulgase, die sich im Gewebe des Weichtiers ansammeln.

Das Muschelfleisch wird buchstäblich zu einem mikroskopischen Heißluftballon. Es löst sich von der harten Schale am Gewässergrund und beginnt, langsam in Richtung Oberfläche aufzusteigen. Oft schwebt dieses zersetzte, stark proteinhaltige und geruchsintensive Fleisch einfach schwerelos zwischen zwei Gewässerschichten (im Pelagial) umher. Für die Räuber des Gewässers ist dies ein wahres Manna – ein extrem nährstoffreicher Snack, der völlig mühelos direkt vors Maul treibt.

Der Wels: Der clevere Opportunist

Wels sammelt abgestorbene Muscheln
Genau hier betritt der unangefochtene König unserer Gewässer die Bühne. Der Wels (Silurus glanis) ist ein Meister der Anpassung und ein brillanter Opportunist. In Zeiten extremster Hitze fährt auch er seinen Stoffwechsel herunter und meidet jegliche unnötige Anstrengung. Warum sollte er in der flirrenden Hitze aktiv und energiezehrend nach flinken Beutefischen jagen, wenn das Buffet von ganz allein zu ihm kommt?

Hochsensible Sensoren: Mit seinen langen, ultraempfindlichen Barteln, die mit unzähligen Geschmacks- und Tastnerven ausgestattet sind, "schmeckt" der Wels das Wasser förmlich ab. Er nimmt die Aminosäuren des aufsteigenden Muschelfleischs auf große Distanz wahr.

Null Anstrengung: Der Wels positioniert sich strategisch im Freiwasser oder in tieferen Rinnen, durch die die leichte Strömung diese treibenden Fluss-"Süßigkeiten" trägt.

Der Staubsauger-Effekt: Hat er einen Happen geortet, muss er nicht einmal zubeißen. Durch ein abruptes Öffnen seines riesigen Mauls und das Aufspreizen der Kiemendeckel erzeugt er einen massiven Unterdruck. Das schwebende Muschelfleisch wird einfach und hocheffizient eingesaugt.

Für uns Angler erklärt dieses Phänomen eine der frustrierendsten Situationen im Hochsommer: Wenn der Waller sich auf dieses kostenlose Muschelbuffet eingeschossen hat, ignoriert er unsere aufwendig präsentierten Köder oft völlig. Die Fische sind schlichtweg vollgefressen mit dieser leicht verdienten Beute!

Manchmal können Kunst-Oberflächenköder den einen oder anderen Wels zum Biss provozieren, doch dieser erfolgt dann meist als reiner Aggressionsbiss, wenn man den Köder direkt vor dem Maul des Fisches führt – der Wels schnappt also aus Reflex zu. Manche Angler versuchen in dieser Zeit, den Wels gezielt mit abgestorbenen Muscheln als Köder zu überlisten. Eine am Grund präsentierte Muschel bleibt dabei jedoch meist unberührt. Hier greift man besser zu einer leichten Oberflächenmontage: Statt einer großen Welspose wird eine unauffällige Unterwasserpose ohne Bleigewicht verwendet. Ein großer Einzelhaken wird mit Muschelfleisch beködert und die gesamte Montage treibend an der Oberfläche präsentiert.

Doch auch bei dieser Methode benötigt man viel Glück. Man muss die Welse erst einmal dort finden, wo sie die abgestorbenen Muscheln genüsslich von der Wasseroberfläche schlürfen, und sich ihnen dann absolut unauffällig nähern. Hat man sie ausgemacht, kann man die Fische vorsichtig mit der Montage anwerfen und warten, bis einer zuschnappt. Zum Glück dauert diese Periode meist nicht lange an. Nach dieser kurzen Phase lassen sich die Waller wieder sehr gut mit den klassischen Methoden beangeln.

Ein Tipp von mir aus der Praxis: Vor dem Muschelsterben und danach funktioniert das Klopfen mit dem Wallerholz hervorragend. Manchmal, wenn man zur richtigen Zeit am richtigen Ort ist, bringt das Klopfen aber auch mitten in der Zeit des Muschelsterbens den erhofften Erfolg.

Die Rolle der Natur

Auch wenn dieses massenhafte Muschelsterben im Sommer auf den ersten Blick dramatisch wirkt, offenbart es doch die beeindruckende Selbstreinigungskraft unserer Ökosysteme.

Der Wels übernimmt in dieser kritischen Phase die essenzielle Rolle der "Gesundheitspolizei" und des Gewässerreinigers. Indem er und andere Aasfresser die verwesende organische Substanz in gewaltigen Mengen vertilgen, entziehen sie dem System potenziell gefährliche Biomasse. Bliebe all das tote Muschelfleisch am Grund liegen und würde dort ungestört verrotten, käme es zu einer massiven Bakterienblüte. Dies würde den ohnehin schon knappen Sauerstoff im Wasser vollständig aufzehren, fauligen Schlamm bilden und ein Umkippen des stehenden Gewässers provozieren, was unweigerlich zu weiteren Fischsterben führen würde.

So schließt sich der Kreis der Natur: Durch sein Festmahl der Stille schützt der Wels genau jenen Lebensraum, über den er herrscht, und bewahrt das Gewässer vor dem Ersticken.

Vitali Dalke

Zurück zum Blog