звук квока / Wallerholz lockt

Warum reagieren Welse auf das Wallerholz?

Vitali Dalke

Warum der Wels auf den Wallerholz-Klang reagiert: Mythen entlarven und der Wahrheit auf den Grund gehen

Seid gegrüßt, liebe Angelfreunde! Heute widmen wir uns einem der spannendsten Themen beim Fang unseres barteligen Räubers: Warum steigt der Wels eigentlich auf das Geräusch des Wallerholzes (Clonk) auf? Was imitiert dieser „Hydroschlag“ wirklich?

Rund um das Wallerholz kursieren unter Welsanglern unzählige Theorien und Mythen. Einige klingen logisch, andere sind schlichtweg kurios. Bevor ich meine Meinung teile, die auf jahrelanger Erfahrung und wissenschaftlichen Untersuchungen basiert, schauen wir uns die populärsten „Volksversionen“ an und klären, warum die meisten von ihnen einer kritischen Prüfung nicht standhalten.

Mythen, an die man nicht mehr glauben sollte:

Theorie Nr. 1: Das Wallerholz imitiert das Quaken eines Frosches

Wels jagt Frosch

 Dies ist wohl der verbreitetste Irrglaube. Erstens: Wenn wir ehrlich sind, unterscheidet sich der Klang eines Wallerholzes fundamental vom Quaken. Zweitens: Welse lassen sich hervorragend in Gewässern mit Wallerholz anlocken, in denen es überhaupt keine Frösche gibt – zum Beispiel in großen Stauseen oder Schifffahrtskanälen. Das Hauptargument liegt jedoch in der Physik: Das Quaken eines Frosches ist ein Geräusch, das sich über dem Wasser (in der Luft) ausbreitet. Der Klang des Wallerholzes hingegen durchbricht die Wassersäule und wandert direkt zum Grund. Zwar reagiert der Wels auf das Platschen von Fröschen, aber die Akustik des Klopfens ist von völlig anderer Natur.

Theorie Nr. 2: Das Wallerholz ist der Ruf eines Weibchens (Paarungsruf)

Wallerholz imitiert Ruf eines Weibchens (Paarungsruf)

Eine sehr romantische, aber unwissenschaftliche Version. Bis heute gibt es keinen Beweis dafür, dass Welsweibchen Laute von sich geben, um Partner anzulocken. Welse laichen nur einmal im Jahr bei einer bestimmten Wassertemperatur (sie sind keine Delfine oder Menschen, die das das ganze Jahr über tun). Das Wallerholz hingegen funktioniert bekanntlich sowohl im zeitigen Frühjahr als auch im späten Herbst (ich persönlich habe Welse bei einer Wassertemperatur von nur 5 Grad hoch geklopft). Zudem beißen auf das Klopfen mit dem Wallerholz sowohl Weibchen als auch ganz kleine, noch nicht geschlechtsreife Jungwelse. Es ist unwahrscheinlich, dass diese ein Paarungsruf anlockt.

Theorie Nr. 3: Der Klang ähnelt raubenden Rapfen

Waller wird von raubenden Rapfen angelockt

Es heißt, der Rapfen sei die Lieblingsspeise des Welses und das Wallerholz imitiere dessen Schläge an der Oberfläche. Ich habe jedoch persönlich dutzende Welse in Gewässern gefangen, in denen Rapfen noch nie vorkamen. Der Wels ist ein intelligenter Fisch und passt sich seiner Futterbasis an, aber die Reaktion auf das Klopfen auf ein „genetisches Gedächtnis“ an Rapfen zurückzuführen, ist nicht haltbar. Der Wels ist kein Außerirdischer, sondern ein Fisch mit ausgeprägter Sensorik (Barteln, Geruchssinn, Seitenlinienorgan).

Theorie Nr. 4: Der Wels schlägt mit dem Schwanz, um sein Revier zu verteidigen

Der Wels schlägt mit dem Schwanz, um sein Revier zu verteidigen

Man glaubt, das Wallerholz klinge wie die Schwanzschläge eines Welses auf der Wasseroberfläche. Ja, Welse schlagen mit dem Schwanz (um das Revier zu markieren oder vielleicht um Parasiten loszuwerden, ähnlich wie Karpfen). Aber stellt euch die Frage: Wenn ein Gigant auf diese Weise verkündet: „Ich bin hier der Boss!“, warum sollten dann andere Welse (besonders kleinere) direkt zur Quelle dieser Drohung schwimmen? Zudem: Wäre es nur einfaches Geplätscher, könnten wir Welse fangen, indem wir einfach mit dem Paddel auf die Oberfläche hauen. Aber wir benutzen ein spezielles Instrument.

Warum steigt der Wels also wirklich auf? Der Wahrheit näher kommen.

Nachdem wir die Märchen beiseitegeschoben haben, kommen wir zu den realistischeren Erklärungen.

Neugier und Futterassoziationen

Der Wels reagiert auf Erschütterungen

Der Wels reagiert auf Erschütterungen – sei es eine ins Wasser gefallene Krähe, eine landende Ente oder ein fressender Raubfisch. Er hat ein exzellentes Gehör (übrigens: je wärmer das Wasser, desto besser hört der Wels). Der Klang des Wallerholzes ähnelt zudem stark dem Geräusch, das ein Wels beim Fressen macht. Im Gegensatz zum Hecht packt der Wels seine Beute nicht mit den Zähnen – er reißt sein riesiges Maul auf, erzeugt ein Vakuum und saugt die Beute mit einem charakteristischen, dumpfen „Plopp“-Geräusch ein.

Wels saugt seine Beute ein

Es scheint alles zu passen: Der Wels hört einen fressenden Artgenossen und schwimmt zum „Büfett“. Aber es gibt ein „Aber“: Ich habe mehrfach beobachtet, wie ein Wels auf das Klopfen stieg und das Boot über einen Kilometer weit verfolgte! Er schwamm hinterher, betrachtete den Köder, biss aber nicht zu. Wäre er hungrig gewesen, hätte er attackiert. Das Wallerholz kann einen absolut passiven, satten Fisch in der Sommerhitze zur Mittagszeit zum Aufsteigen bewegen. Es geht also um mehr als nur Futter.

Reizfaktor und Hydroschlag

Wels und Schlag des Wallerholzes

Der Wels hat in der Natur praktisch keine natürlichen Feinde (ab einer gewissen Größe), daher ist ihm Angst fremd. Er ist unglaublich neugierig. Er interessiert sich für die Vibration eines Ankerseils oder das Klopfen gegen die Bordwand. Aber das Wallerholz ist mehr als nur ein Klopfen. Geht mal bis zur Hüfte ins Wasser und macht einen kräftigen Schlag mit dem Wallerholz – ihr werdet den Hydroschlag in euren Beinen spüren. Das ist physischer Druck. Für einen Wels, der ruhig am Grund liegt, ist das ein massiver Reizfaktor. Stellt euch vor, euer Nachbar fängt am Sonntagmorgen an, mit dem Bohrhammer gegen die Wand zu hämmern. Erst erträgt man es, dann steht man auf und will nachsehen, was da los ist. Der Wels tut dasselbe. Er steigt aus Aggression gegen den Störfaktor auf, sieht ein Bündel zappelnder Tauwürmer vor sich und schnappt reflexartig zu.

Wissenschaftlicher Fakt: Die Kommunikation der Welse!

 Die Kommunikation der Welse

Und hier kommen wir zum wichtigsten Punkt. Im Jahr 2005 nahm der niederländische Biologe und Bioakustik-Experte Herbert Tiepelt während seiner Forschungen in den Niederlanden seltsame Unterwassergeräusche auf. Als diese Aufnahmen, die später in internationale wissenschaftliche Datenbanken einflossen, einem erfahrenen Welsangler vorgespielt wurden, war dieser schockiert: Die Geräusche klangen exakt wie ein Wallerholz!

Sie machten ein Experiment: Der Angler klopfte, und der Wissenschaftler ließ ein Hydrophon ins Wasser. Und was glaubt ihr? Die Welse antworteten auf den Klang des Wallerholzes mit ähnlichen akustischen Signalen! Die Forscher kamen zu dem Schluss, dass Welse durch das abrupte Zusammenziehen spezieller Trommelmuskeln, die auf die Schwimmblase wirken, aktiv untereinander kommunizieren.

Wallerholz und Wels Reaktion

Worüber sie „sprechen“, ist für die Wissenschaft noch ein Rätsel. Aber heute neigen die meisten Biologen zu der Theorie, dass das Wallerholz genau diese Sprache der Welse imitiert. Diese Entdeckung bestätigt, dass der Wels ein viel „sozialerer“ Fisch ist, als man früher dachte. Seine Reaktion kann also durch Hunger, Territorialinstinkt oder reine Neugier ausgelöst werden.

Das erklärt alles: Warum man verschiedene Tonlagen braucht, warum manche Schläge anlocken und andere verscheuchen (man schreit sein Gegenüber ja auch nicht an, wenn man einen ruhigen Dialog führen will). Im Grunde treten wir durch das Klopfen in einen Dialog mit dem Fisch.

Fazit

Freunde, wir können viele Theorien aufstellen. Kommunikation, Reizfaktor, Neugier – höchstwahrscheinlich ist das Wallerholz eine Kombination aus all diesen Faktoren. Aber denkt an das Wichtigste: Theorie bleibt Theorie, und den Fisch fängt derjenige, der auf dem Wasser ist. Nehmt eure Hölzer, experimentiert mit Frequenz und Kraft der Schläge und sucht euren Fisch!

Bleibt gesund, abonniert unseren Newsletter (direkt hier unten) und bis bald am Wasser!

Vitali Dalke

Vitali Dalke mit einem Wels den er mit Wallerholz anlockte
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